Teilemarkt Oberdorf 2025: Sauwetter, Schnitzel & Stoßstangen
Sauwetter
Die Wetterprognose für den traditionell ersten Teilemarkt der Saison in der Steiermark hielt, was sie versprach: Regen bis zum Boden und davon reichlich. Also rein in verhältnismäßig warme und wasserfeste Klamotten, Kappe auf, Regenjacke an und ab in Volvis fünfzylindrigen Audi 100. Hätte Volvi nur meine 15 Tipps zum Auswintern befolgt und auch nach dem Zustand des fahrerseitigen Wischerblattes geguckt. Dann, ja dann hätten wir auch nicht zweimal vierzig Minuten dem nervtötenden Geräusch lauschen müssen, das es im Kampf gegen die Regenmassen von sich gab. So gab es wenigstens reichlich Gesprächsstoff während der An- und Abreise.
Der Außenbereich der Mehrzweckhalle in Oberdorf am Hochegg war nur dürftig mit Ständen bestückt, aber klar: Wer im Inneren einen trockenen Platz ergattern konnte, der war damit an diesem verregneten Tag fein raus. So war das Outdoorangebot schnell gesichtet und auch gleich das erste Stück eingekauft: Volvi war auf der Suche nach einem passenden Ohrenschmeichler für seinen 2er GTI, da kam das Grundig-Kassettenradio gerade passend.
Business as usual
Während sich kurz vor 8 Uhr draußen schon die ersten Besucher und Standler am ersten Bier festhielten und Geschäfte machten, ging es für uns in die trockene und auch warme Stube. Drinnen herrschte bereits reges Treiben an den Ständen, aber auch an den Bierbänken des gastronomischen Angebots. Da wurden schon prächtige, dampfende Schweinsschnitzel an uns vorbeigetragen – obwohl man gerade vom heimatlichen Frühstückstisch kam, regte das den Speichelfluss deutlich an.
Aber erst hinein ins Getümmel der Stände und abchecken, was man alles brauchen könnte. Wie immer gab es ein Sammelsurium an gebrauchten Teilen, Mopeds, Motorrädern und allerlei Sachen, von denen man bis eben noch gar nicht wusste, dass man sie eigentlich benötigt. Ebenfalls fix gesetzt ist auch eindeutiger Überhang an Teilen für Puch und Volkswagen, wie an jedem österreichischen Teilemarkt. Damit kann man gut leben, toll, wenn man Fahrzeuge dieser beiden Marken sein eigen nennt und damit aus dem vollen Sortiment schöpfen kann.
Puch und VW – Ole!
Aber im Endeffekt besuchen wir solche Märkte eher wegen der Atmosphäre, den Bekannten und Freunden, die man dort trifft, um sich auszutauschen, den Flair solcher Märkte aufzunehmen und ein wenig Spaß zu haben. Da kommt es nur recht, wenn man dann Stände vom Audi Klaus oder von Andreas Wenzel erblickt, die beide Teile rund um die Marken Audi und VW feilbieten. Ausgiebige, launige Gespräche machen so einen Treffenbesuch doch erst aus. Aber auch die beiden konnten uns nicht mit einem geräuscharmen Wischerblatt für den Audi 100 C4 aushelfen.
Neben Zuckerwattestand und einem mit Replika-Blechschildern gab es einige Stände, deren Teile man gefühlt jedes Jahr wieder und wieder sieht. Aber auch einige neue Standler mit feinster Automobilia konnte man in Oberdorf antreffen. Neben Hobby-Heften aus den frühen 70ern, Reparaturanleitungen für den Datsun 1200 und Nissan Cherry/Sunny, Einser-Post-Golf Rückleuchten ohne Rückfahrscheinwerfer, einer Betriebsanleitung eines Alfa Arna auf italienisch, einem Trainingshandbuch für den Mazda 626 GD mit 4WS-Vierradlenkung, sah man auch das eine oder andere schlüpfrige Magazin aus früheren Tagen. Aber auch neuwertige BMW- und Mercedes-Spielzeugautos in Originalverpackung mit Kabelfernbedienung, Lenkrädern, Achsschenkeln, Stoßdämpfern, Stoßstangen, Stahlfelgen und Drehzahlmessern suchten nach einem neuen Zuhause.
Frühschoppen vs. früh shoppen
Nach soviel Teilen und Krimskrams in Händen war es Zeit für eine wohlverdiente Pause, die aus dampfenden Schnitzelsemmeln und kühlem Gerstensaft bestand – ganz normal um diese Uhrzeit am Land bei einem Frühschoppen, wie mir versichert wurde. Gut gestärkt bot sich noch eine zweite Runde durch die Stände an. Erfahrungsgemäß findet sich dann immer noch was, das man unbedingt mithaben will.
So entdeckten wir eine Mappe der Steyr-Daimler-Puch of America, die mittels umfangreicher Dokumentation und hunderter Dias den Auf- und Zusammenbau der nach Amerika importierten Puch Maxis erklärte. Ebenso die grüne Fahne, die einst den Vorplatz des Grazer Puchwerkes zierte. Ich wurde bei Valentin Eggbauer (Rent a Bulli) fündig, der mir einen Folder der Zagato-Studie des Alfa Romeo Z 33 Free Time schenkte. Zu diesem Fahrzeug wird es wohl zeitnah einen eigenen Beitrag geben.
Ebenfalls fündig wurde ich bei Andreas, den ich um das Super Trumpf-Quartett Cabriolets und Luxus-Coupes von FX Schmidt aus Mitte der 1980er Jahre erleichterte. Das beinhaltet einen Ledl AS 160, was immerhin einen heimischen Wagen beinhaltet und ausreichend Kaufargument dafür war.
So fuhren wir nicht mit leeren Händen heim und freuen uns jetzt schon auf den ersten Teilemarkt der Saison 2026 in Oberdorf am letzten Samstag im März – das sollte 2026 der 28.03. sein. Ein Dank an den Veranstalter OSCO, der uns wie jedes Jahr einen wundervollen Saisonstart ermöglicht.

Gründer von Alltagsklassiker, mit großer Schwäche für gut gereifte japanische Fahrzeuge, Prospekte und Modellautos; Fotograf, Leseratte, bewegt Mazda MX-5 NA V-Special, Mazda 818 Sedan de Luxe, Puch Clubman und Puch Maxi L.